Welche Bücher lesen wir denn 2021?

Wir finden Bücher ja immer toll. Bücher fürs Wochenende, Bücher für kalte Tage, Bücher für den Urlaub, Bücher für die Feiertage.

Hier gibt es fünf heiße Buchtipps für euch selbst oder zum Verschenken. Von der kaffeesüchtigen, österreichischen Mord-Ermittlerin in die Berliner Gosse der 20er Jahre, vom feministischen Ratgeber bis zur lebensbejahenden Geschichte einer Selbstmörderin – wir haben Titel für jeden Geschmack! Von der Wortspielerei-Redaktion für euch gelesen und rezensiert. *alles unbezahlte Werbung, keine gratis Exemplare, keine Affiliate-Links. Unsere reine, persönliche Meinung.

Herbstmesse von Claudia Ullrich

Herbstmesse ist bereits Clara Linharts 2. Fall. Der neu erschienene Krimi spielt (wie auch der 1. Teil – keine Sorge, den stellen wir auch noch vor) in Graz und zwar – wie der Titel schon vermuten lässt – auf der Grazer Messe. Doch wer jetzt an österreichischen Heimatkrimi denkt, ist falsch gewickelt. Die intuitive Protagonistin Clara ist urban, fesch und vor allem kaffeesüchtig. Als Kellnerin jobbt sie neben ihrer Ausbildung zur Privatdetektivin auf der Grazer Herbstmesse. Dort stirbt am Tag nach der Eröffnung der Direktor. Die Autopsie ergibt, es war Mord. Er wurde in einer der leeren Messehallen mittels Steiger aufgehängt, davor betäubt. Die Messe bleibt dennoch geöffnet und verzeichnet sogar mehr Besucher als die Jahre davor. Klar, der Tratsch… Die Clara beginnt, die Mitarbeiter auszufragen und alle scheinen den Buchinger, den toten Direktor, gemocht zu haben. Zumindest fast alle, denn von vielen Seiten hört man, dass er zwar ausgesprochen nett, aber nicht sonderlich kompetent war. Auch jene Politiker stimmen in diesen Chor mitein, die selbst für seine Bestellung verantwortlich zeichnen. Die haben ihn vor ein paar Jahren extra von Frankfurt nach Graz geholt für diesen Job. Aber was führt diesen deutschen Prozess-Optimierungsmanager, der mit Messen nichts am Hut hatte, überhaupt hierher? Und dann erfährt die Clara auch noch von der alten Buchinger, der Mutter des von Frankfurt hierhergezogenen Messedirektor. Die ist nämlich mitnichten Deutsche, die ist eine waschechte Grazerin und wohnt gleich hinter’m Lendplatz. Irgendwas stimmt da nicht.

Wir mögen die etwas schrullige, aber wahnsinnig empathische Clara Linhart so richtig gern und leben mit ihr total mit. Am besten gefällt uns der Teil, wo sie Bekanntschaft mit dem Senior-Chef des Messecaterings macht, ein gruseliger, alter Mann – fast wie ein Skelett schaut er aus -, der sie völlig unerwartet von hinten packt und ihr dann erzählt, dass er schon einmal eine Leiche auf der Messe gefunden hat. Ein Selbstmord im Jahr 1979. Aber ob dieser Fall was mit dem toten Buchinger zu tun hat, verraten wir euch nicht.

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Krimi Tipp für Weihnachten: Die Hoffnung stirbt zuletzt

Die Hoffnung stirbt zuletzt von Claudia Ullrich

Ja, wir wissen, dass „Die Hoffnung stirbt zuletzt“ schon lange kein Geheimtipp mehr ist. Der erste Fall von Clara Linhart ist schon 2019 erschienen. Aber wer „Herbstmesse“ liest, wird unweigerlich auch „Die Hoffnung stirbt zuletzt“ lesen wollen. Die Clara findet nach ihrer Schicht an der Bar vom Casino Graz in der finsteren Umkleide von Casino und Congress einen Toten. Aber nicht einfach irgendeinen Toten, sondern – wie sie ihn selbst zu nennen beginnt – ihren Sandler. Sie denkt, sie ist die einzige, die davon gewusst hat, dass er immer in den Keller zum Schlafen kommt. Kein Mensch sonst nutzt die Umkleide, weil es so finster und unheimlich ist. Der Clara ist das egal und der Sandler hat ihr nie was zuleide getan, warum soll er dann nicht da schlafen dürfen, der arme Teufel? Jedenfalls ist er mausetot, als sie ihn auffindet. Das bestätigt ihr auch der ermittelnde Polizist, dessen Dienstgrad die Clara sich einfach nicht merken will. Trotz der Dunkelheit meint die Clara ein paar Details erkannt zu haben. Die Frisur vom Sandler war besser als sonst und seine Uhr zu teuer. Doch der Inspektor Fritz (dieser Dienstgrad scheint ihr am Wahrscheinlichsten) kommt mit ihrer Intuition überhaupt nicht mit. Also muss sie auf eigene Faust ermitteln und findet heraus, dass der Mord in Zusammenhang mit der renommierten Radiologentagung im Congress Graz steht. Aber was hat der Lufthansa-Streik damit zu tun?

Wir lieben „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, weil wir die Clara das erste Mal kennenlernen durften. Dass bei ihr ohne Kaffee und Bauchgefühl gar nichts geht, amüsiert uns genauso wie der österreichische Schmäh. Zitat: „Wer bewusstlos am Boden liegt, kann sich generell nicht über viel freuen.“ oder „Schon gut. Passiert ja nicht jeden Tag, dass einem sein Sandler wegstirbt.“ Und die herrliche Kulisse in Graz kommt auch so richtig gut zur Geltung. Daumen hoch!

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Buchtipp für Weihnachten: Berliner Schnauze in Die Juten Sitten

Die Juten Sitten von Anna Basener

Jetzt wird es so richtig verrucht. Hedi Belle sitzt in der Todeszelle. Die Hollywood Diva hat aus schier unerfindlichen Gründen einen ihr fremden französischen Unternehmer kaltblütig ermordet. Und gestanden. Natürlich wollen die Medien nur eines wissen: Warum hat sie das getan? Doch Hedi schweigt. Bis ein junger Journalist der New York Times bei ihr aufschlägt. Doch anstatt ihm das Warum für den Mord zu geben, entführt sie ihn in ihre Vergangenheit. Ins Berlin der 20er Jahre und zwar in ein Bordell namens Ritze, in dem Hedi, eigentlich Hedwig, bei ihrer Großmutter Minna, der Puffmutter, aufgewachsen ist. Umgeben von Huren und Freiern, zwischen dreckigen Tischen und Hausaufgaben. Ungeschönt und unverblümt erzählt sie ihm von ihrer Kindheit, die sie zu der Diva gemacht hat, die sie auch noch in der Gefängniszelle geblieben ist. Für prüde Nasen ist das Buch nicht geeignet. Sex und sexuelle Gewalt sind wichtige Bestandteile des Romans, der auch das ordinäre Vokabular der Gosse regelrecht zelebriert. Die Geschichte ist spannend und rührend zugleich und der Ausgang völlig unerwartet. Erst auf den letzten Seiten schließt sich der Kreis und wir erfahren, warum genau dieser Franzose dran glauben musste. Aber wir spoilern hier natürlich nicht. Lest es selbst, wenn ihr ein wenig Abwechslung zum prüden Alltag braucht!

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Zu Weihnachten lesen wir was Feministisches: Women don't owe you pretty.

Women don’t owe you pretty von Florence Given

Wer das Gefühl hat, nur mit Hausarbeit, Koche, Waschen, Hübschsein beschäftigt zu sein, der sollte sich ein richtig feministisches Werk reinziehen: Women don’t owe you pretty. Kein Roman, viel mehr ein Ratgeber aber lustig, ernst und augenöffnend! Die Redaktion der Wortspielerei liebt Florence Given und ihr Buch erst recht. So viel Weisheit und Tiefgang hätten wir uns in solch jungen Jahren, die die Autorin am Buckel hat, nur wünschen können. Florence zerlegt in ihrem Erstlingswerk das Patriachat bis ins kleinste Details und zeigt Facetten auf, die uns die Schuppen haben von den Augen fallen lassen. Einfach grandios! Sie erklärt, wie es zu Schönheitsidealen kommt und warum wir Frauen darauf pfeifen dürfen. Bitte nur dürfen, denn von müssen ist keine Rede. Die junge Künstlerin versteht nur zu gut, warum viele Frauen sehr gerne die Regeln des Patriachats für sich zu nutzen versuchen und andere wiederum gar keine Wahl haben. „Feminismus“ bekommt durch das Buch eine ganz neue Bedeutung und unser Männerbild wird bis auf die Unterhose ausgezogen. Auch die Stärkung des eigenen Selbstwertgefühls ihrer Leserinnen ist Florence ein großes Anliegen. Und so ganz nebenbei tut es unserem Englisch gut, das Buch der jungen Britin zu lesen. Da haben wir auch gleich was für die Bildung getan! Und die Illustrationen sind ein Hammer.

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Lesestoff für Weihnachten: Selbstmörderin Veronika beschließt zu sterben.

Veronika beschließt zu sterben von Paulo Coelho

Nein, kein neues Buch, aber das macht nichts. Paulo Coelho geht sowieso immer und gerade dieses Buch hat uns heuer besonders begeistert. Veronika beschließt zu sterben. Doch ihr Selbstmordversuch scheitert und sie landet in einer renommierten Nervenheilanstalt in Slowenien. Leider haben die Medikamente, die sie eingenommen hat, ihren Organen großen Schaden zugefügt. Sie wird also dennoch sterben. Und langsam beginnt dieses Wissen, sie traurig zu stimmen, denn unter all den „Verrückten“ fängt sie an, zu verstehen, dass es doch möglich ist, ein Leben zu leben, wie man es sich selbst aussucht. Nach den eigenen Vorstellungen sein zu dürfen, erfüllt sie plötzlich wieder mit Lebensmut, doch nun scheint es zu spät zu sein. Zu allem Überfluss verliebt sie sich auch noch in einen jungen Schizophrenen, der gänzlich immun gegen ihre von allen Zwängen befreiten Annäherungsversuche zu sein scheint. Was wie ein Drama klingt, entwickelt sich zum lebensbejahendsten Roman, den wir heuer lesen durften! Wer sich manchmal fragen, welchen Sinn dieses Leben überhaupt hat, sollte für dieses Buch auf jeden Fall Platz im Regal finden!

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Und, ist etwas für euch dabei? Wer viel Zeit hat, soll gleich alle fünf lesen. Aber wer hat das schon? Daher der Tipp der Wortspielerei: Jeden Monat ein Buch. Bis ihr sie alle durchhabt, kommen von uns bestimmt schon die nächsten Empfehlungen! Gute Unterhaltung!

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